Ethik in Business Coaching

Ethik und Künstliche Intelligenz

November 2018

Die gesellschaftliche Rolle des Coaches im Kontext mit der Künstlichen Intelligenz

Coaching wird als Dienstleistung immer bekannter und immer häufiger in Anspruch genommen. Damit wächst auch die gesellschaftliche Verantwortung des Coaches, sich ethisch zu verhalten und sich zunächst eine Meinung zu bilden und dann eine Position zu vertreten.

Der Roundtable der Coachingverbände hat in seinem Positionspapier „Profession Coach“ von 2014 expliziert darauf hingewiesen:

Aufgabe im gesellschaftlichen Kontext

Der wachsende Zuspruch, den das Coaching erfährt, steht in auffälligem Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen. Die steigende Komplexität, Flexibilität und Beschleunigung der globalisierten Netzwerkökonomie hat die Anforderungen an den Einzelnen in der Arbeitswelt stark verändert. Das Arbeitsleben ist heute zunehmend charakterisiert durch eine gestiegene Erwartung an die Eigenständigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortung des Einzelnen. Zugleich sind die Bereitschaft und Fähigkeit zur kooperativen Interaktion und effizienten Kommunikation unter den Bedingungen eines sich unablässig verändernden Arbeitsumfeldes notwendige Kompetenzen im Arbeitsprozess.

Vor dem Hintergrund dieser Anforderungen besteht die zentrale Aufgabe von Coaching in der Stärkung und Förderung der arbeitsbezogenen (Selbst-)Reflexionsfähigkeit, der Orientierungs- und Entscheidungsfähigkeit sowie der Handlungskompetenz der Person (bzw. Personengruppen).

Coaching unterstützt die Resilienz der Person und ihre Fähigkeit zu (selbst-)verantwortlichem Handeln insbesondere in Situationen individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Veränderung. Coaching stärkt und fördert den individuellen Entwicklungs- und Bildungsprozess – auch im Sinne der Idee des ,lebenslangen Lernens´“. (Eine detaillierte PDF-Fassung des Positionspapiers des RTC finden Sie hier)

Ein sehr wichtiger gesellschaftlicher Umbruch wird gerade mit der künstlichen Intelligenz eingeläutet.

Für den Coach sollte sich hier die Frage stellen:

  • In welcher Gesellschaft mit welchem Miteinander möchte ich leben und als Coach wirken?

und schlussendlich

  • Bei wem soll zukünftig die Entscheidungshoheit liegen? Beim Menschen oder bei der künstlichen Intelligenz?

 

Tatsächlich werden schon ungefragt Entscheidungen von der künstlichen Intelligenz für uns übernommen: z.B. was uns Facebook, Google, Instagram, Alexa u.a. auf unserem Account oder bei unserer Suchanfrage anzeigt bzw. mitteilt.

Der Nutzer entscheidet sich dann in einem bereits vorselektierten Bereich. Das hat den Vorteil und Servicecharakter der Vorselektion von zu vielen und immer komplexeren Informationen.

Aber wie sorge ich als Nutzer dafür, dass die Vorselektion nicht immer enger wird und damit die Welt manipuliert wird und ich dann in meiner eigenen individuell perfekt zugeschnittenen Kunstwelt immer nur selbstbestätigt werde, anstatt mich mit meiner Umwelt kritisch auseinanderzusetzen?

 

Weitere Fragen und Themen, die die Gesellschaft einschneidend beeinflussen werden:

  • Kommunikation: Muss ich darauf hingewiesen werden, dass ich mit einer KI telefoniere oder spreche?
  • Beziehungen: Welches Miteinander wollen wir zwischen Menschen und KI?
  • Menschlichkeit: Was macht einen Menschen zu einem Menschen? Und in Abgrenzung dazu eine KI zu einer KI?
  • Rechte: Werden KIs auch und eventuell die gleichen Rechte und Pflichten in unserer Gesellschaft haben wie Menschen?
  • Arbeit: Werden KIs unsere gesamte Arbeit machen und welches Lebensmodell oder Lebensberechtigung werden dann die Menschen haben?
  • Coaching: Werden Coaches von KI zukünftig nicht nur unterstützt, sondern möglicherweise abgelöst werden?

 

Im Ethikverband der Deutschen Wirtschaft hat der Autor zum Thema Künstliche Intelligenz und ihren Einfluss auf unsere Gesellschaft diesen Oktober eine Taskforce gegründet.

Business Coaches sind herzlich eingeladen sich an der Diskussion zu beteiligen und somit proaktiv eine menschliche und lebenswerte Gesellschaft mit der KI mitzugestalten.

Diesen Beitrag finden Sie auch ab 31.10.18 im ICF Newsletter.

Ethik und digitale Medien

Ethik und digitale Medien

Seit dem 25. Mai dieses Jahres ist endgültig die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten.

Nachdem sich die erste Aufregung bezüglich der Umsetzung gelegt hat, ist nun eine gute Gelegenheit, sich auch im Rahmen der Ethik im Coaching mit dem Thema Datenschutz und Nutzung der digitalen Medien auseinanderzusetzen.

Spätestens nach dem NSA-Skandal und der Facebook-Affäre sollte jedem bewusst sein, dass digitale Medien nicht sicher sind. Ein Missbrauch durch unbefugte Dritte ist potenziell möglich. Ohne Vorsichtsmaßnahmen ist die Nutzung von digitalen Medien wie ein offenes Buch, dass weltweit jedermann einlädt, darin zu lesen, zu schmökern und auch Inhalte zu verändern.

Gemäß dem ICF Werte- und Ethikkodex Kapitel 11 sind “[…] alle fallbezogenen Dokumente bezüglich meiner Arbeit als Coach so [zu] erstellen, auf[zu]bewahren und [zu] vernichten, dass die Vertraulichkeit und der Datenschutz gewährleistet und das geltende Landesrecht eingehalten wird.“

 

Was bedeutet das für das ethisches Handeln als Coach?

In der Zusammenarbeit mit dem Klienten sollte der Coach im Umgang mit digitalen Medien mindestens die folgende drei Kriterien Verschlüsselung, Speicherung und Nutzungsrechte für die Datenschutzsicherheit des Klienten berücksichtigen.

 

Ethikrichtlinie des RTC

Professionelles Coaching beruht notwendiger Weise auf einer

Ethischen Grundhaltung. Mit dieser Ethikrichtlinie werden die Mitglieder aller im RTC organisierten Verbände dazu verpflichtet, im Sinne des RTC – Positionspapiers eine Professionsethik wirksam werden zu lassen, die im Markt Orientierung gibt und sich im täglichen Handeln

erweist.

Diese Ethikrichtlinie stellt die gemeinsame Basis aller bereits in den Verbänden vorhandenen Ethikrichtlinien dar.

Weitergehende und detailliertere Vorgaben einzelner Verbandsrichtlinien

behalten daher ihre Gültigkeit.

Mit dieser Ethikrichtlinie wird die Reflexion des eigenen beruflichen Handelns der Coaches gefördert. Sie soll die Klienten vor unethischem Handeln von Coaches schützen und das Ansehen des Berufsstandes in der Öffentlichkeit fördern.

Diese Richtlinie vermittelt allen Interessierten ein Bild davon, was von Coaches erwartet werden kann, die sich auf eine ethisch reflektierte Professionsausübung verpflichten und was einer solchen Selbstverpflichtung zuwiderläuft.